Ziergehölzhinweise - ZierH 2000

Die "Hinweise zur Wertermittlung von Ziergehölzen als Bestandteile von Grundstücken (Schutz- und Gestaltungsgrün) - Ziergehölzhinweise 2000 - ZierH 2000" vom 20. März 2000, BAnz. Nr. 94 vom 18. Mai 2000, Seite 9189 stellen einen der zahlreichen Versuche dar - hier des Bundesfinanzministeriums (BMF) - die Gehölzwertermittlung nach der bekannten Methode KOCH sowohl in Fällen des Schadensersatzes als auch bei Enteignungsentschädigungen abzuändern, obwohl die BGH-Rechtsprechung die Methode KOCH seit Jahrzehnten bestätigt. Die Fachwelt hat die ZierH als invalide qualifiziert, weil sich irrationale Resultate ergeben. Die ZierH 2000, die auf der Methode Buchwald basieren, halten weder einer rechtlichen Kritik (Breloer, H., Stadt und Grün 2001) noch einer fachlichen Kritik (Schulz, H.-J. AgrarR, 2001, 233) stand.

Das BMF hat alle nachgeordneten Dienststellen angewiesen Gehölzwertermittlungen nach den ZierH durchzuführen. Allerdings wird bis heute offenbar penibel darauf geachtet, keinen Fall zum Rechtsstreit kommen zu lassen, bei dem ein Betroffener nach der Methode KOCH entschädigt werden will. Seit Inkrafttreten der ZierH ist jedenfalls kein Urteil bekannt geworden, in dem Gerichte der ZierH gefolgt sind. Es existiert nur eine Entscheidung. Das Amtsgericht Paderborn hatte über einen Schadenersatzanspruch der Stadt Paderborn gegen die britische Rheinarmee wegen der Zerstörung einer Kopfweide zu entscheiden. Das Gericht gab in seinem Urteil von 2. Februar 2001 (54 C 587/00) der Klage statt und sprach der Stadt Paderborn den vollen Schadensersatzbetrag, berechnet nach der Methode Koch, zu. Es lehnte gleichzeitig eine Berechnung des Schadens an dem Baum nach den ZierH 2000 ab.

Die ZierH praktizieren durch die Anwendung von Abzinzung und den Gebrauch linear sinkenden Abzinsungsfaktoren überwiegend Ertragswertrechnung, was bei der Taxation ertragsloser Güter (hier: Schutz- und Gesaltungsgrün) nur mittels einer modifizierten Sachwertrechnung - auch Methode KOCH genannt - möglich ist, deren Prinzipien der BGH (s. diesbezügliche BGH-Urteil-Entscheidungen) über ein einem Zeitraum von annähernd 40 Jahren für richtig erachtet. Im jüngsten Urteil vom 25.01.2013 - V ZR 222/12 hat der BGH die Prinzipien der Methode KOCH detailliert beschrieben und sie nocheinmal zum Maß der Gehölzwertermittlung erklärt.

Betroffene sind folglich gut beraten Wertermittlungen nach ZierH abzulehnen, zumindest jedoch eine Wertermittlung nach der Methode KOCH danebenzustellen und zu vergleichen. Sachverständige, die auftragsgemäß nach den ZierH taxieren, müssen - ihrer Pflicht nachkommend, die einschlägige Rechtsprechung zu beachten - in ihren Gutachten darauf schriftlich hinweisen, dass die Wertermittlung auftragsgemäß nach den ZierH geschieht, die jedoch nicht der von den Gerichten seit Jahrzehnten anerkannten Methode Koch entspricht.

BRELOER, H. (2001) ZierH vom Gericht abgelehnt, Stadt und Grün, 4/2001, 302

SCHULZ, H.-J. (2001) Die Ziergehölzhinweise (ZierH) im Vergleich zur Methode Koch, Agrarrecht (AgrarR), 8/2001, 233

SCHULZ, H.-J. (2014) "Folgerungen aus dem Thuja-Teilschaden-Urteil des BGH vom 25.01.2013 - V ZR 222/12 bezgl. PALANDT, ImmoWertV, FLL-Vordruck B, Zier und Zinsfuß" in Seminarband dasgrün.de Gehölz-Symposium 2014, S. 17-38, demnächst in AUR März 2013

Text der ZierH

zurück